Warnowtour 2005 mit Alex
Barminer See bis Vorbeck
Am nächsten Morgen hatte von den Betreibern des Wasserwanderrastplatzes niemand Zeit, uns an den Barniner See zu unserer Einsetzstelle zu fahren, und so ließ ich mein Fahrrad in Vorbeck, den größten Teil unserer Ausrüstung sowieso und setzte das Kanu mit unserem Auto über nach Barnin an die dortige Badestelle, wie meine Jübermann-Gewässerkarte es empfahl.
Dort saßen wir schon kurz nach 9h im Kanu und fuhren in Richtung Kobande, wo die Warnow laut Karte aus dem See fließen sollte. Es war strahlender Himmel, und mit uns fuhren noch 2 ältere Herren in ihrem Kanu. Es stellte sich heraus, daß es Hamburger waren, die am gleichen Tag bis zum Wehr Nutteln/Gustävel fahren wollten, wo sie ein Auto hatten stehenlassen. Ich fand, daß das eine ambitionierte Unternehmung war, kaum zu schaffen bei soviel Hindernissen und eigenen Ansprüchen an den Naturgenuß. Ich selbst rechne bei stark mäandrierenden Flüssen mit maximal 20km pro Tag, und das ist schon anstrengend genug. Außerdem will man ja auch die Kanutour genießen können.
Die Warnow - Ausfahrt finden wir nur mit größter Mühe, nachdem wir viel hin - und hergeirrt sind. An der entsprechenden Stelle fließt die Warnow ein Stück parallel zum Schilfufer, aber das Schilf können wir weder durchdringen noch hindurch sehen. Schließlich finden wir einen kleinen Durchstich. Eigentlich sollte hier eine Boje im See liegen, wir sehen jedoch keine. Stattdessen schaue ich immer nach Veränderungen in der Buschvegetation, irgendwelche Lücken etc. und tatsächlich ist der Durchstich dort, wo die Pappelreihe endet.
Die Warnow ist überraschender Weise schon dort ein tiefer Wiesenfluß von Breiten zwischen 6m und 8m.Wir hätten auch im Dorf Kobande einsetzen können, allerdings ist die Zuwegung dort teilweise privat. Am Zufluß der Warnow bei Demen wollten wir nicht einsetzen, da das Auto dort sehr einsam gestanden hätte. In Barnin es uns schon lieber.
Am Wehr von Kobande mitten in den Wiesen können wir relativ leicht aus
- und einsetzen, obwohl das Ufer steinig ist. Wir tragen unser Kanu dabei durch eine
Lücke in einem Zaun, durch die das Boot gerade hindurch paßt.
Hinter dem Wehr empfängt uns eine grüne Flußlandschaft mit teilweise
üppig ewachsenen, aber leider auch hohen Ufern. Es geht auf einen Wald zu, und es gibt recht
flotte Strömung. Wir entdecken eine Eisvogelniströhre in einer steilen Uferböschung und die ersten
Biberspuren. Eisvögel umschwirren uns. Da kommt schon richtig Freude auf und macht uns sehr gespannt auf das Kommende.
Nach 3,5km unterqueren wir eine Straße, da war also die Rönkendorfer Mühle. Ab da fängt es an, richtig zur Sache zu gehen: erstmal müssen wir aussetzen, um eine Krautsperre zu überwinden, was nicht so ganz einfach ist, da es nur ein sehr hohes Ufer gibt. Links von uns liegen ein paar Gebäude, unser TA6 meint, das sei Warnowhof.
Ab da paddeln wir mitten durch einen unglaublich schönen Wald, wo wir nichts für unser Vorwärtskommen, jedoch alles für die Einhaltung unserer Richtung tun müssen. Es ist das erste Naturschutzgebiet auf dieser Paddeltour, und es gibt auch manches Baumhindernis zu umtragen. An einer kleinen Fußgängerbrücke erkennen wir, daß wir durch das Dörfchen Rönkenhof paddeln. Der Wald bleibt, wir paddeln am Forsthaus Gädebehn vorbei, wo es eine Biberburg in der Mitte der Warnow von einem Beobachtungsstand aus zu sehen gibt, wie ich von einer kleinen früheren Fahrradtour her weiß. Man bedenke, das Wasser ist hier sommers nur etwa 30 cm tief, die Biber machen keine Anstalten, die Warnow hier zu stauen, was eine Skurrilität ist, wo sie doch sonst nur Eingänge bauen, die unter Wasser liegen.
Das schnell strömende Wasser ist vollkommen klar, der Boden sandig, und es schwimmen viele Fische in allen Größen umher.
Die Warnow durchfließt hier ein wunderschönes Tal, ist also sehr tief ins Gelände eingeschnitten, es könnten an manchen Stellen bis zu 10 Meter sein. Das eigentliche Flussbett ist sehr breit, oft 20 m und mehr, aber der Wasserverlauf selbst geht um umgestürzte Bäume herum, oft im Zickzack, und viele Halbinseln haben sich gebildet. Einige Bäume müssen wir umtragen, viele Hindernisse vorsichtig umschiffen. Bis wir in Kladow / Dorf Gädebehn angekommen sind, haben wir unser Zeitgefühl längst verloren. Wir tragen hier ein Wehr um, danach haben wir das erste Mal Steinberührung, als wir mit Schwung unter der Brücke durchfahren. Wir müssen zwischendrin auch schon mal aussteigen und treideln, da zuwenig Wasser vorhanden ist. (das Wehr in Kladow ist mittlerweile verschwunden, es ist zu einer Art "Treppe" umgebaut worden).
Der Wald lichtet sich vorerst, und wir paddeln auf einem relativ schmalen Wiesenfluß, aber mit reichlich Strömung. Das macht richtig Spaß, aber wir kommen auch kaum dazu, uns richtig auf die Umgebung einzulassen. Der Wald weicht etwas zurück, bald sehen wir nur noch Wiesen. Schön ist es trotzdem.
Eine Sohlgleite tauchte auf, und da wir nicht sicher waren, sie heil durchpaddeln zu können, entschieden wir uns, auszusteigen und das Kanu durchzutreideln. Das Anlegen und Aussteigen vorher war nicht so einfach, da das Ufer ziemlich hoch und mit Brennnesseln bewachsen war. Alex stieg auf die Wiese, um Fotos zu machen und ich balancierte über die losen kantigen Steine, um unser Kanu und mich heil durch die Sohlgleite zu bekommen.
Es machte Spaß, aber ich mußte mich durchaus konzentrieren. Dann stieg Alex wieder ins Kanu und wir paddelten weiter. Der Höhenunterschied war hier schon beträchtlich. Bei höheren Wasserständen wäre ich einfach durch gepaddelt. Aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste, und die Steine hier waren ziemlich scharfkantig.
Wir paddeln weiter durch die Wiesen, manchmal ist viel Kraut vorhanden, was ordentlich bremst. Rechts und links die Wiese von Wald umgeben, was eine schöne Ansicht bietet und eine gute Stimmmung erzeugt.
Wir passieren eine alte Straßenbrücke, ein Blick auf die Karte sagt uns, daß wir nahe Augustenhof sind. Hier könnte man auch einsetzen oder eine ausgiebige Pause machen. Der Wald ist vorübergehend sehr nahe.
Wir hören es rauschen, es kommt eine Sohlgleite in Sicht. Bevor wir auch nur angemessen reagieren können, sind wir auch schon drüber, so flott strömt hier die Warnow gerade.
Jetzt mündet von links das Goderndorfer Mühlenfließ in die Warnow. Dieser kleine Bach ist sehr schmal, führt im Sommer wenig Wasser und taugt leider nicht für eine Verbindung nach Schwerin über den Mühlensee, Pinnower See und andere. Wir kennen es schon von vorherigen Wanderungen beim nahen Flugplatz und Goderndorf. Wenn man allerdings bereit ist, sein Kanu ca. 1km auf Rädern zu schieben, ginge es durchaus.
Das folgende Wiesenwehr ist relativ leicht zu umtragen. Wir nutzen das Umtragen, ein paar Fotos zu machen und ein wenig herum zu tollen. Dann kommt Vorbek in Sicht, die Fischtreppe kündigt sich schon durch deutliches Rauschen an.
Diese Fischtreppe umtragen wir, es ist kurz und einfach. Dann bringen wir unser Boot gleich zu unserem Zelt auf den Wasserwanderrastplatz.
Die beiden Hamburger beenden gerade ihre Kaffeepause und machen sich auf ihre 2. Etappe. Ich nehme mein Fahrrad und fahre die knapp 20 km, um das Auto von Barnin abzuholen. Es ist eine interessante Fahrt, da die Landschaft sehr abwechslungsreich und schön ist und es viele Tiere zu sehen gibt.
Ich genieße die verschiedenen Düfte, die der Abend für mich bereit hält. Sogar einen Seeadler bekomme ich am Nordende des Barniner Sees zu Gesicht. Meine Fahrzeit beträgt 1,5 Stunden. Am WWR in Vorbeck ist jetzt schon mehr los als gestern, eine Gruppe von 7 Leuten mit 4 Canadiern ist unterwegs, wir kochen an den bereitgestellten Tischen. Danach fahren wir mit dem Auto das Fahrrad nach Weitendorf, wo unser nächstes Übernachtungsziel sein soll. Als wir wiederkommen und schlafen wollen, feiert die Gruppe noch ein wenig bei Gitarrenklängen, dann ist Ruhe. Wir beschwören den aufsteigenden Nebel, in Flußnähe zu bleiben und uns trocken zu lassen. Es klappte ziemlich gut!