Warnow 2003
Mildenitz und Borkower See
Die Einsatzstelle in Borkow finde ich leicht: Einsetzstellen sind meistens an Straßen, die (bei kleinen Flüssen) Hinweisschilder auf Brücken mit verminderter Tragfähigkeit haben oder an Straßen, die 'Seestraßen' heißen (wenn die Einsetzstelle an einem See liegen soll). Auch Hinweisschilder zu Badestellen führen oft dahin.
Eine schmale Straße, die in einen Sandweg übergehg, führt uns zur Badestelle, ein ruhiger, großzügig angelegter Platz. Man trifft es selten, daß so viel Ufer vorhanden ist: mindestens 150 m, die sich nicht Privatleute unter den Nagel gerissen haben, und das in der Ortschaft. Herzliche Gratulation, Borkow!!
Gut gelaunt laden wir unser Boot vom Auto, rüsten es aus und setzen es in das schöne klare Wasser des Borkow-Sees, der von der Mildenitz durchflossen wird. Der See ist still, mit Wald- und Schilf umstanden und mit Buchten voller Seerosen. Die Mitte des Sees, die wir passieren, ist auch ein wenig mit Seerosen bedeckt. Wir fahren einen kleinen Umweg, um nicht durch sie hindurchzufahren zu müssen, und sind nach 400 m in einem Flußgebiet, das sich kaum beschreiben läßt, so schön ist es.
Wir wissen gar nicht, wie uns zumute ist, so überrascht sind wir von dem Eindruck, den die Umgebung auf uns macht: wir können keine Strömung feststellen; es ist auch sonst total ruhig, nur selten hören wir ein Fahrzeug auf der B192.
Wir befinden uns in einem Sumpf, durch den die Mildenitz führt und deren Wasserflächen uferlos bis in den Auenwald übergehen, einem Gehölz, das aus alten Erlen und manchmal Weiden besteht. Zu Fuß käme man hier nicht weiter. Inseln aus Sumpfgras bilden den Übergang zu den Bäumen, und die Wasserflächen sind bis auf einen kleinen Rest an Fahrrinne mit Seerosen zugewachsen.
Auch unterhalb der Wasseroberfläche findet sich eine dichte Vegetation, man kann oft bis in die Tiefe blicken und sieht sehr viele Fische . Sogar einen jungen Hecht kann ich entdecken, wie er mal pfeilschnell durch das Wasser schießt und mal still auf einer Stelle steht, um Beute zu erjagen. So langsam, wie es nur möglich ist, paddle ich vorwärts, während Alexander versucht, die optischen Eindrücke mit Hilfe unserer kleinen Digitalkamera festzuhalten.
Der Fluß hat viele Windungen, und so sieht man immer nur zwischen 50 und 150 m lange Abschnitte und nicht, wie es weitergeht. Dadurch bekommt man den Eindruck, auf einem winzigen Sumpfsee zu paddeln, bevor eine Durchfahrt zum nächsten Abschnitt wieder sichbar wird. Vögel singen in den Bäumen, und ab und zu schießt ein Eisvogel über die Wasseroberfläche. Mit Glück sieht man ihn dann eine Weile auf seinem Ansitz sitzen, bevor man ihm wieder zu nahe kommt und er mit seinem typischen metallischen Schrei das Weite sucht. Allmählich werden die Windungen kürzer und der Fluß schmaler, bis auch eine leichte Strömung wahrnehmbar ist.
Nach etwa 4 km ändert sich sachte das Ufer: Nadel- und Mischwald tritt an die Stelle von Sumpfwald, und der Fluß ist tiefer ins Gelände eingeschnitten. Eine niedrige Brücke quert das Gewässer, man kommt jedoch durch. Einen halben Kilometer später fließt die kleine Bresenitz in die Mildenitz, sie kommt von den Seen Holzsee, Woserinersee und Gardersee. An der Einmündung ist sie nur etwa 4-5m breit. (Anmerkung: die Bresenitz kann nur in wasserreichen Zeiten gepaddelt werden und auch dann nur abwärts, oft Baumhindernisse).
Da es schon Abend ist, fahren wir nur bis kurz vor Erreichen des Schwarzen Sees und treten dann den Rückweg an. Diesmal paddeln wir etwas schneller, Alexander paddelt mit, hat er die letzten 2km aufwärts auch schon gemacht. Kurz vor dem Erreichen des Borkower Sees sieht Alexander einen ausgewachsenen Biber, bevor dieser mit viel Geplansche abtaucht. Wieder sind wir angefüllt mit Glück über das Erlebte, und die letzten paar 100m lassen wir uns bewußt viel Zeit, bis wir etwa um 19:45 h die Badestelle von Borkow erreichen und damit unser Auto.
Wir laden das Boot auf den Dachträger, befestigen alles für die Rückfahrt und verstauen unser Gepäck. Dann geht's Richtung A20, die uns nach Lübeck bringen soll und damit zurück nach Kiel. 185km später sind wir einigermaßen frisch zu Hause angekommen, trotzt der anstrengenden Fahrt. Es ist etwa 22:30h, und wir haben einen sehr schönen, erlebnisreichen Ausflug hinter uns.
Wieder zu Hause wird schnell einer der Rechner gebootet und die Foto-Dateien werden umgeschaufelt, dann schauen wir uns zusammen mit den zu Hause Gebliebenen die Bilder an und ernten viel Begeisterung für unsere Bilder und Berichte. Es waren drei Tage, die sich wirklich gelohnt haben. Die Zeit kam uns eher sehr viel länger vor.