Müritz - Rhin - Havel - Rundtour 2006
- Start in Wesenberg
- Finowsee bis Priepertsee
- Müritz-Havel-Wasserstraße
- Rheinsberger Gewässer
- Rheinsberger Rhin Landtransport
- Ruppiner Gewässer
- Der Ruppiner See
- Altfriesack und Rhinluch
- Kremmener Rhin und das Rhinluch
- Rhinkanal bis Oranienburg
- Oder-Havel-Wasserstraße
- Liebenwalde bis Zehdenick
- Zehdenick und die Schorfheide
- Schorfheide bis Fürstenberg
- Fürstenberg bis Ellbogensee
Ruppiner Gewässer
Eine kurze Strecke später vereinigt sich der Rhin mit dem Kanal, der die Verbindung zum Möllensee bzw. Gudelacksee hinüber in Richtung Lindow darstellt. Ab hier treffe ich auch wieder Motorboote, genauer gesagt eins, und das fährt auch noch ziemlich langsam.Ich bin jetzt in den Ruppiner Gewässern
Die nun folgende Strecke des Rhin ist auf eigenwilige Weise kanalisiert: In Abständen von etwa 8m sind rechts und links Dalben in den morastigen Grund gerammt worden, zwischen denen man Rundhölzer befestigt hat, die jetzt schwimmende Ufer bilden. Jenseits dieser Ufer wuchert eine wilde Flora, und einige Pflanzen machen auch vor dem Holz nicht Halt und haben sich auf den Pfählen und schwimmenden Rundhölzern niedergelassen. Auch sitzen sehr viele Wasservögel auf diesen Bauteilen. Diese Ausstattung setzt sich die nächsten 4km fort und ist sehr interessant anzuschauen. Ortschaften gibt es auf dieser Strecke keine.
Das ändert sich erst, als der Kanal in den Zermützelsee übergeht: wir haben hier einen etwa 2,5km langen See mit viel Wald drumherum, die Orte Zermützel, Stendenitz, Tornow und Rottstiel liegen in der Nähe. Der See ist wenig "umsiedelt", die Natur hat hier noch sehr viel Raum.
Meine Uhr zeigt fast 18:00h, da ist es langsam Zeit, daß ich mir Gedanken darüber mache, wo ich meine nächste Nacht verbringen möchte: es gibt einige Campingplätze in der Nähe, und etwa 1 Stunde weiter unten an der Verbindung zwischen Tetzensee und Molchowsee gibt es einen kleinen Hafen und Wasserwanderrastplatz. Ich schaue mir die beiden Zeltplätze in Ufernähe an, und als ich an einem anlegen will, kommt aus einem nahen versumpften Kanälchen eine Kajakfahrerin. Ich frage sie, woher sie denn gerade kommt und wie der Zeltplatz denn so sei, der nach meinem Jübermann - Tourenatlas am Ende jenes Kanals liegen soll. Die Frau entgegnet, es sei ein schöner Platz, sehr zu empfehlen, und so lenke ich mein Kajak zielstrebig dorthin.
Dieses "Rottstielfliess", wie es genannt wird, ist nur 1,5km lang, es liegt direkt in einem Wald und der Zugang von Zermützelsee aus besteht aus einer kleinen Wasserfläche und einem sehr großen Sumpfteil, in dem sich gerade ausgesprochen viele Graureiher, Stockenten und Haubentaucher tummeln. Ein paar Reiher fliegen auf, der größere Rest bleibt jedoch auf seinem Posten und stellt den Fischen nach.
Gelassen und ruhig ziehe ich mein Kajak an den Paddeln im Wasser voran
und freue mich an der stillen Umgebung. Am Ende des Rottstielfliess
finde ich den Campingplatz, der zum CUR - Verein gehört. Ich lege an
einer Badestelle an, ein paar Badende genießen die Abendsonne. Der
Tornowsee, an dem ich jetzt angelangt bin, gehört zu den klarsten Seen
von ganz Deutschland und ist bei Tauchern sehr beliebt. Für Motorboote
ist er gesperrt, nur das Ausflugsschiff
hat sich eine Weiterfahrmöglichkeit ertrotzt. Es fährt regelmäßig zum
beliebten historischen Fachwerk - Restaurant Boltenmühle, das nach
einem Totalschaden durch Feuer wieder im alten Glanz erstrahlt.
Ich melde mich an der Rezeption an, als Einzelfahrer darf ich eine Nacht direkt an der Badestelle zelten und bekomme den Sanitärschlüssel. Die Betreiberin ist sehr aufgeschlossen gegenüber meinen Anregungen zum Marketing bezüglich des Wasserwanderns sowie spezieller Angebote für Kanufahrer.
Ich baue mein Zelt auf und koche mir ein warmes Mahl. Weil der Abend so windstill und lau ist, paddle ich noch ein wenig auf den Tornowsee hinaus und genieße die Stille. Ein paar Reiher fliegen herum, sonst ist kaum etwas zu sehen. Der Wald ringsumher beeindruckt mich sehr durch seine ungewöhnliche Silhuette, wo man doch meist sonst nur scheinbar gleichhohe Bäume sich zu einem kompakten Horizont formen sieht.
An diesem Abend gehe ich recht früh schlafen, mein Tag war mit knapp 20 km Paddeln plus Landtransport etc doch wieder gut ausgefüllt. Mit Anbruch der Dunkelheit schlafe ich ein, und außer daß mich mal ein Eichhörnchen weckt, das in den Büschen über mir herumfaucht, schlafe ich störungsfrei bis in den Morgen.
Ich erwache um 6:45h, etwas Nebel verwischt die Konturen des Waldes auf dem gegenüber liegenden Seeufers. Ein Graureiher schreit, ein zweiter antwortet Es melden sich auch Kraniche in der Nähe mit lautem Trompeten. Ich sehe Fische an der Seeoberfläche herumspringen. Ich schwimme ein paar Runden und putze mir dann meine Zähne mit meinem mitgebrachten Wasser, so daß ich nicht erst zum Sanitärhaus wandern muß. Es ist ein schöner 10. August - Morgen, ein Blick auf meinen Kalender sagt mir, daß es ein Donnerstag ist. Am Sonntag will ich in Oranienburg sein, mich mit meinem Bruder treffen. Ich nehme meinen Tourenatlas TA5 zur Hand und plane vor: die Distanz beträgt etwa 55km, also 2Tage zu paddeln. Da ich jedoch weiß, daß es unterhalb Wustraus ein altes Naturschutzgebiet gibt, plane ich einen Tag zusätzlich für Nebenausflüge ein. Das sollte ich in Zukunft noch viel mehr tun, allerdings ist meine eigene Zeit für solche Rundtouren wie diese leider auch begrenzt.
Ich frühstücke und bringe den Sanitärschlüssel zurück zur Rezeption, melde mich ab. Dort hat sich gerade ein kleiner Singvogel im Büro verirrt, läßt sich nicht einfach so hinausnötigen. Ich versuche, so nahe wie möglich an den Vogel heran zu kommen, rede leise auf ihn ein. Dann gelingt es mir, ihn mit meiner Mütze einzufangen. Ich nehme ihn zwischen meine beiden Hände, schaue ihn genau an und bringe ihn dann durch die Tür hinaus. Daheim stelle ich fest, daß es sich um eine Sperbergrasmücke gehandelt hat.
Ein wenig plaudere ich noch mit der Betreiberin des Campingplatzes, Frau Masberg, dann mache ich mich auf den Weg in Richtung Neuruppin. Das Wetter ist etwas zweifelhaft, aber da es windstill ist, stört mich aufkommender Regen nicht so sehr.