Müritz - Rhin - Havel - Rundtour 2006
- Start in Wesenberg
- Finowsee bis Priepertsee
- Müritz-Havel-Wasserstraße
- Rheinsberger Gewässer
- Rheinsberger Rhin Landtransport
- Ruppiner Gewässer
- Der Ruppiner See
- Altfriesack und Rhinluch
- Kremmener Rhin und das Rhinluch
- Rhinkanal bis Oranienburg
- Oder-Havel-Wasserstraße
- Liebenwalde bis Zehdenick
- Zehdenick und die Schorfheide
- Schorfheide bis Fürstenberg
- Fürstenberg bis Ellbogensee
Liebenwalde bis Zehdenick
Rasende Motorboote gibt es hier kaum, die meisten fahren etwa die erlaubten 12 km/h. An der Abzweigung zur Oberen Havel ist es ca. 17:30h, und ich habe 17,5 km hinter mir.
Weit ist es nicht mehr bis zum Wasserwanderrastplatz Liebenwalde, Dazwischen liegen noch 3km und die Schleuse Liebenwalde, wo schon ein paar Motorboote auf die letzte Schleusung warten. Ich muß nicht lange warten, kurz nach meiner Ankunft werden wir geschleust. Eine halbe Stunde danach biege ich rechts in den Kanal ein, der zum Finowkanal gehört und sich "Langer Trödel" nennt. Dort finde ich den Wasserwanderrastplatz, der von Herrn und Frau Helbig betrieben wird. Die Stadt Liebenwalde hat hier ein sehr modernes Sanitärgebäude errichtet, das zusammen mit der privat errichteten Steganlage einen modernen, gepflegten aber trotzdem natürlich wirkenden Hafen ergibt. Ich fühle mich hier sehr gut aufgenommen, habe interessante Gespräche und wir tauschen Erfahrungen und Anregungen aus.
Wie fast täglich, baue ich auch hier mein Zelt auf und koche mir warmes Essen. Nach dem Essen gehe ich noch in die Stadt, etwa 1,5km, und da ich noch immer Hunger habe, esse ich dort noch einmal warm und trinke ein Alsterwasser. Um 22:00h liege ich aber doch schon im Schlafsack, es ist ruhig hier direkt am Kanal, ab und zu vernehme ich Lebensäußerungen von Wasservögeln. Auch Frösche sind noch aktiv. Morgens weckt mich das Geräusch eines Autos, und ich höre menschliche Stimmen. Es ist kurz nach sieben, ein Rasenmäher wird gestartet, meine Nacht ist vorbei. Es ist sehr windig, und ich hole erst einmal Brötchen vom nahen Bäcker. Während ich frühstücke, fängt es zu regnen an. Das weitet sich zusammen mit dem kräftigen Wind zu einem sehr ungemütlichen Wetter aus, fast könnte man es als Unwetter bezeichnen. Da habe ich keine gesteigerte Lust, mein Zelt abzubauen und loszupaddeln. So schaue ich zu den Wirtsleuten rein und die nächsten Stunden unterhalten wir uns über viele interessante Dinge im Zusammenhabg mit Wasserwandern und Kanutourismus. Allmählich wird es trocken, der Wind läßt ein wenig nach, vileleicht noch 4bft. schrecken mich nicht mehr so. Da baue ich ab, packe alles ein und sitze erst gegen 15:30h in meinem Kanu, um die Havel, die hier "Vosskanal" heißt, nach Zehdenick zu paddeln, etwa 17km.
Der Vosskanal ist zwar ziemlich ausgebaut, aber es sind doch viele große Bäume am Ufer, und heute stört mich so eine Fahrt nicht, die manche als "eintönig" bezeichnen. Ich bin froh, überhaupt voran zu kommen, denn immer noch herrscht viel Wind. Meist kommt er schräg von vorne. An der Brücke bei Krewelin steige ich für eine kleine Pause aus und schaue mir etwas die Umgebung an.
Hier ist auch die "Schnelle Havel" ganz nahe, die von Zehdenick aus fast parallel zum Vosskanal und später zum Havel - Oder- Kanal verläuft. Sie hat zur Zeit zuwenig Wasser zum Paddeln und ist gesperrt, es gibt jedoch Bestrebungen, sie wieder dem Kanusport und Wasserwandern zu öffnen.
Zwei ältere Damen mit Fahrrädern machen ebenfalls Pause, wir unterhalten uns angeregt über die Gegend, die Natur, Pflanzen und Tiere. Es treibt mich weiter. Bei wenig Motorbootsverkehr schaffe ich es bis knapp 18:00h nach Zehdenick. Links liegt der große Hafen des Wasser - und Schifffahrtsamtes, das diese Schifffahrtsstraße zu unterhalten hat. Die Schleuse kommt in Sicht, es herrscht wenig Betrieb hier und kurz darauf bin ich schon durchgeschleust.
Jetzt muß ich mir Quartier suchen, der Hafenmeister von Liebenwalde hat mich mit ein paar Tipps versorgt. Der Yachthafen hat keine Zeltwiese, also untersuche ich die nächste Möglichkeit: der Havel - Altarm, der früher die Mühle antrieb, bildet in der Innenstadt ein "Binnengewässer", dort gibt es ein Restaurant, das gleichzeitig das Clubhaus eines Wassersportvereins ist. Auch gibt es dort noch einen Angelverein. Ein Passant schickt mich auf eine nahe Zeltwiese und rät mir, mich im Clubhaus anzumelden, wo sich auch sanitäre Anlagen befänden.
Wieder einmal baue ich mein Zelt auf und koche mir etwas zu essen. Nach dem Abwaschen wandere ich noch ein wenig umher, es gibt hier in Zehdenick und drumherum sehr viel Natur, da große Sumpfgebiete vorhanden sind, aber auch durch die vielen Tongruben, die jetzt alle kleine Seen geworden sind. Da es jetzt im August aber schon recht früh dunkel wird, treibt es mich bald zum Schlafen. Es ist windstill und trocken, der Himmel ist fast sternenklar.
Der Morgen des 16. August ist freundlich, die Sonne scheint. Ich wandere ein wenig durch die Innenstadt, finde auch einen Bäcker. Auf der Rücktour kehre ich noch in der Tourist - Info ein, um mich mit weiteren Informationen über Zehdenick und die Umgebung zu versorgen. Diese ist in einem sehr interessanten Gebäude untergebracht, nämlich der alten Wasser - Mühle. Sie ist sehr liebevoll restauriert worden. Im Außenbereich hat man begonnen, Einrichtungen einer alten Flussschiffswerft auszustellen. Ein paar Meter entfernt liegt die offizielle Einsetzstelle für Kanus.
Zehdenick ist groß geworden durch die Flussschifffahrt, den Tonabbau und die Ziegelherstellung. Zurückgeblieben ist eine faszinierende Wasser - und Sumpflandschaft, die es kaum ein zweites Mal in einer und so nahe einer Stadt gibt. Heute sucht sie den Anschluß an den Tourismus, und da sie so nahe an Berlin liegt, dürft das mit der Zeit zu schaffen sein, wenn immer mehr Berliner aufhören, ihre Umgebung zu ignorieren oder gering zu schätzen.
Gegen 10:30h wandere ich zurück zu meinem Zelt, packe alles ein und baue das Zelt ab, Nachdem ich meine Siebensachen verstaut habe, sitze ich um 11:20h in meinem Boot, um mich in Richtung Norden zu bewegen. Hier durch diese Teichlandschaft zu paddeln, die sich "Havel" nennt, ist wirklich etwas Besonderes. Ab und zu steht noch ein Schornstein einer alten Ziegelei, einige Buchten der Havel sind noch als alte Häfen der Ziegeleien zu erkennen.