Meine Kanu-Tour 2004
- Recknitz - Tessin bis Recknitzberg
- Recknitz - Bad Sülze
- Trebel - Tribsees bis Nehringen
- Trebel - Nehringen bis Demmin
- Peene - Demmin bis Aalbude
- Peene - Aalbude bis Neukalen
- Peene - Neukalen bis Dahmen
- Ruhetag in Dahmen am Malchiner See
- Landtransport von Dahmen nach Jabel
- Jabelscher,- Loppiner- und Kölpinsee
- Zeltplatz Jabel
- Zeltplatz Jabel
- Pause am Jabelschen See
- Jabel bis Plauer See
- Plau über Lübz bis Burow
- Müritz-Elde-Wasserstraße bis Parchim
- Parchim nach Garwitz
- Garwitz bis Neustadt-Glewe
- über Grabow bis Fresenbrügge
- Fresenbrügge bis Dömitz
- Dömitz bis Neudarchau
- Elbe - Neu-Darchau bis Güster
- Resümee
Recknitz - Bad Sülze
Dienstag, 13/07/04
Kurz vor 5 erwache ich, weil in der unmittelbaren Nähe Kraniche laut trompeten. Auch sonst ist das Morgenkonzert in vollem Gange. Es regnet in mittelmäßiger Intensität, zum Glück mit wenig Wind. Um halb 6 entscheide ich mich aufzustehen. Regenkleidung an, Gummistiefel und dann wird eingepackt und das Zelt naß abgebaut. Ich trage etwa die Hälfte meiner Ausrüstung zu der 150m entfernten Einsetzstelle und packe den Rest ins Boot, nachdem der Bootswagen daruntermontiert ist. Alles hätte ich nicht in dem weichen und unwegsamen Gelände fahren können, da muß es eben so gehen. Zum Einsetzen geht es eine ziemlich lange Böschung hinunter, aber es geht, das nasse Gras unterstützt das Rutschen des Bootes. Kurz nach halb 8 ist alles, ich inclusive, im Boot und es geht mit neuem Schwung in einen herrlichen Tag, zwar mit Regen, doch guter bis bester Laune und voller Neugier auf das Kommende. Ich nehme noch im Wegfahren wahr, daß ein LKW mit Tieflader gerade einen Bagger bringt, der offensichtlich das abgeschnittene Kraut aus dem Fluß entfernen und verladen soll. Gut, daß ich so früh abgebaut habe, so stand ich niemandem im Wege.
Meine Fahrt führt mich in das neu (2000/2001) renaturierte Recknitzgebiet. Man hat den Fluß wieder in sein ursprüngliches Bett zurückverlegt und die begradigten Teile unterbrochen, d.h. sie haben noch Anschluß an die neuen (alten) Mäander, sind jedoch einseitig verschlossen. Ein richtiges Labyrinth ist so entstanden, und man muß bei den vielen Flußbiegungen aufpassen, daß man immer im richtigen Fahrwasser bleibt. Ich schaffte es einmal, in einen langen toten Arm hineinzufahren.
An den Ufern wächst (und blüht im Moment auch) eine Vielzahl prächtiger und teilweise seltener Pflanzen. Ich sehe neben den verschiedenen Schilf- und Reetarten Igelkolben, Pfeilkraut, Schwanenblume, Brunnenkresse, Nachtschatten, Krebsschere und andere, deren Namen ich noch nicht kenne - die rot und gelb blühen ( ich recherchiere noch, was es ist). Ab und zu blüht Beinwell am Ufer.
Teilweise ist die Vegetation ein paar Jahre alt, und teilweise stehen auch Büsche (Weiden und Erlen) die bis zu 30 Jahre und älter sind. Schön, daß sich noch einige alte Bewüchse erhalten haben aus der Zeit vor der Kanalisierung.
Von Landwirtschaft sieht man wenig, die Tiere haben hier viele Versteckmöglichkeiten. Bibervorkommen gibt es hier offensichtlich nicht: Ich erkenne keine Bibergleiten mit den typischen Krallenspuren und auch keine kleinen und großen Verbisse an Gehölzen. (Bei einer späteren Fahrt sah ich allerdings einige deutliche Spuren!)
Die Strömung ist erträglich, so daß man kaum in die Verlegenheit kommt, bei den Windungen des Flusses in die Uferpflanzen hinein zu fahren. Um Fotos zu machen, ist sie allerdings schon zu schnell, wenn man alleine paddelt. (Ein großer Nachteil des Alleinpaddelns.) Ich hätte anhalten müssen, aber die Neugier ist größer, den Fluß zu erleben.
Nach etwa 13km, um 11:15h, kündigen Wanderwege parallel zum Ufer an, daß der nächste größere Ort naht: Bad Sülze ist es, und um 11:30h erreiche ich das Wehr bei der alten Meierei, das jetzt ein Jugendhaus mit vielerlei Freizeiteinrichtungen und ein nettes Restaurant beherbergt. Auch den Wasserwanderrastplatz betreibt das "JAM".
Ich lege an und erkunde das Gelände, vor allem die Wiedereinsetzmöglichkeit. Es ist sehr windig und immer kurz vor einem Regenschauer. Da ich wissen möchte, zu welchen Bedingungen mich das JAM zur Trebel umsetzen würde, gehe ich hinüber zum Fitnessstudio, das zum Jugendhaus gehört und in dem die WWR-Betreuer arbeiten. Ich erfahre, daß es 7,- ¤ kostet und ich um 14:00h gefahren werden kann. Die Zeit nutze ich, um mir einen Haferbrei zu kochen und einen reichhaltigen Obstsalat zu machen. Direkt am Ufer beobachte ich einen etwa 40cm langen Schuppenkarpfen, der ganz ruhig mit seinen Seitenflossen wedelt und sich auch nicht dadurch aus der Ruhe bringen läßt, daß ich eine Schale Wasser entnehme, mit der ich mein Eßgeschirr vorreinigen will. Ein zweiter ist auch in der Nähe, etwas kleiner. Die Lufttemperatur beträgt mittags 15°C und ab und zu fallen ein paar Tropfen. Der Wind bläst aus West mit etwa 4-5 bft. (hier eine komplette Beschreibung der Recknitz als Kanugewässer).
Nach dem Essen verladen der Fahrer und ich mein Boot und meine
Ausrüstung und bringen sie nach Tribsees zum Wasserwanderrastplatz.
Mit einem Trinkgeld verabschiede ich mich von dem freundlichen Fahrer.
Der "Hafenmeister" im WWR leiht mir eine alte Schubkarre, um meine
Sachen die 80m von der Straße zum Zeltplatz bringen zu können. Der Wind
bläst kräftig, und ich habe Mühe, mein Zelt zu errichten. Um es zu
stabilisieren, spanne ich es an mehr Stellen ab als gewohnt, denn die
Stäbe biegen sich schon sehr stark durch. Das Zelt ist klitschenaß,
benötigt aber nur eine kurze Zeit, um im Wind trocken zu werden.
Immerhin regnet es nicht.
Ich koche mir Reis und schmore mir Zwiebeln und Zucchini dazu. Mein
Magen freut sich, und die neue selbstgebaute Kochkiste für den
Trangia-Kocher funktioniert planmäßig: Reis kurz aufgekocht und dann
hinein in die gut isolierende Kochkiste - Deckel drauf und ziehen
lassen in der Hitze. Bis das Gemüse fertig ist, ist es auch der Reis.
Ich beobachte Turmfalken, die sich über dem Fluß im Jagen üben. Sie
wohnen wohl im Turm der alten Kirche von Tribsees.
Ich unterhalte mich noch ausführlich mit dem Hafenmeister und schreibe meinen Bericht weiter. Um 21:00 h liege ich im Schlafsack.