Havel-Müritz-Rundtour 2005
3.7.05: Fleether Mühle bis Leppinsee
Diese Nacht war es ruhiger, der Wind stand wohl günstig für uns. Wir schlafen sehr gut und morgens sind wir schon so zeitig mit allem fertig, daß wir um kurz vor neun das Boot auf Rädern zur Umsetzstelle in die Oberbek schieben.
Wir wollen nicht gerade dann diese Motorbootstrecke fahren, wenn die Angeber auf ihren (meist gemieteten) Yachten die Wasserstraße unsicher machen. Morgens ist es meist ruhig, es sind eher Individualisten unterwegs, die freundlich grüßen und Zeit haben.
Ein paar andere Wasserwanderer sind mit uns parallel gefahren, da dürfen die Kanadierfahrer das Gepäck des Kajakfahrers mittransportieren. Er ist dann natürlich viel zu schnell und fährt immer hin und her. Naja, wie wir hörten, suchen sie eine Badestelle.
Als wir den C25 Am Mösssensee passieren, halten wir uns ein wenig am Anlegesteg fest, um uns mit Sonnencreme behandeln zu können. Ein älterer Mann in Begleitung eines Jungen fällt uns auf, sie bereiten gerade ihr Faltboot für die Weiterfahrt vor. Irgendwie kommen mir die beiden bekannt vor, im Moment weiß ich aber noch nicht genau, von wo.
Wir paddeln weiter durch den Mössensee, der vor dem Zotzensee zu einem Kanal wird, aber immer noch sehr schön ist und natürliche Ufer hat. Auf einer alten Kiefer rechts sehen wir plötzlich einen Seeadler sitzen, wir fahren langsamer, um ihn besser betrachten zu können. Es läßt uns ziemlich nahe heran kommen, bis er dann doch auffliegt, um sich einen ruhigeren Sitzplatz zu suchen. Allmählich werden es mehr Motorboote, aber wir haben Glück und bleiben von Rowdies verschont.
Die nächsten 4,5 km bis Mirow versuchen wir, immer im Halbschatten zu fahren, da es schon sehr heiß ist. Nach einer guten Stunde kommen wir so bei der Straßenbrücke der B198 an. Gleich dahinter legen wir beim Fischer an, um uns für das Mittagessen mit Fisch und Brötchen einzudecken. Weiter geht es durch die Stadt, vorbei an der Einfahrt zum Wasserwanderrastplatz (der nur für Motorboote eingerichtet ist), bis wir die hübsche Stadtinsel erreicht haben. Dort legen wir an und verzehren unseren Fisch und unsere Brötchen.
Es folgen gut 2km Mirower See, dann sind wir in einer engen Durchfahrt zum Granzower Möschen. Dort liegt rechts eine sehr belebte Badestelle des Ortes, wo sich auch der Wasserwanderrastplatz sowie die Kanustation Granzow befinden. Es ist hier ziemlich laut, und schnell paddeln wir vorbei. Was nun folgt, ist eine der schönsten Gewässer, die Mecklenburg zu bieten hat: von hier, Kleiner und Großer Kotzower See genannt, bis zum Leppinsee paddeln wir durch eine unglaublich üppige Wasserwüste, die mehr an Mangrovenwälder als an norddeutsche Seenlandschaft erinnert.
Die Fahrrinne ist nur etwa 20 - 30m breit, der ganze Rest des schmalen Sees ist komplett von Wasserpflanzen aller Art zugewachsen, so daß man nur selten mal ein Ufer erreichen könnte. Viele Seerosen blühen, es ist eine unbeschreibliche Pracht um uns herum. Größere und kleinere Libellen fliegen die Blüten an, um nach kleineren Insekten als Beute Ausschau zu halten. Am weiter entfernten Waldufer bellt ein Rehbock. So geht es etwa 3,5km, bis es langsam bei reinen Schilfufern in den Leppinsee übergeht.
Fernglas bald den C20, unseren Zielcampingplatz. Er liegt auf dem rechten Ufer, es sind noch etwa 1,2 km. Um 14:25h legen wir an, und schon 25min später haben wir eingecheckt und unser Zelt steht diesmal nicht auf Kiefernzapfen!. Unsere Essenausrüstung haben wir gleich unter der alten Buche auf Tischen und Bänken verteilt, wo wir gleich kochen wollen.
Da unser Koch- und Essplatz direkt an der Anlegestelle liegt, kommen wir nach und nach in Kontakt mit anderen Paddlern, die auch gerade ihr Tagesziel erreichen. Es kommt eine Familie mit 2 Canadiern an, von denen ich annehme, daß es sich um Leihboote handeln wird.
Ich frage, ob sie vielleicht hier von einem Spediteur abgeholt werden sollen, und sie bejahen. Als der Spediteur kommt, frage ich ihn, ob er zufällig an Babke vorbei fährt und mich evtl. mitnehmen kann. Er fährt dorthin, und zusammen mit der Familie fahre ich zu unserem Auto nach Babke. Einen Fußmarsch von 5km habe ich mit so erspart.
Ich zahle dem freundlichen Fahrer noch ein gutes Trinkgeld, dann darf ich mich wieder an das "schnelle" Fahren gewöhnen, nach immerhin 4 Tage paddeln. Als ich wieder bei Gundula ankomme, ist das Essen gar, und es gibt sogar einen erfrischenden Rohkostsalat.
Bald kommen auch die beiden Wasserwanderer an, die wir schon beim C25 trafen: der Senior und sein Enkel im Faltboot. Wir haben noch eine ausgiebige Unterhaltung, die nur dadurch unterbrochen wird, daß auch ein paar andere ankommen, die mitreden möchten, was sehr interessant ist. Ein junger Mann ist allein fast ohne Ausrüstung und fast ohne Essen den ganzen Tag unterwegs im gemieteten Canadier, da gibt es genügend zu erzählen.
Heute Abend gibt es keine Abendtour mehr, dafür einen langen Klönabend an der Anlegestelle des C20 am Leppinsee. Ein Paddler aus den Niderlanden, den wir schon am WWR Fleether Mühle trafen, ist ebenfalls hier, wir haben reichlich Geprächsstoff zusammen. Danach schlafen wir sehr ruhig und stellen uns auf einen schönen Ausflug morgen zur Müritz ein.