Alte Oder ab Reitwein bis Oderberg
Von Schiffmühle bis Oderberg
Am Morgen, den 24.7. 2009 fahre ich mit dem Transporter und meinem Holzkanu auf dem Dach zur Einsetzstelle Gabow/Neutornow bei Schiffmühle, um in die Wriezener Alte Oder einzusetzen und diesen letzten Abschnitt zu paddeln. Es gibt dort einen schönen gemeindeeigenen Veranstaltungsplatz mit Zugang zu einem kleinen See und zur Alten Oder, die allerdings mit dem See nicht verbunden ist.
Es gibt einen großen Parkplatz, und so kann ich schon bald mit meinem Kanu und Gepäck durchstarten. Viel ist es nicht, da mein Zelt noch in Oderberg steht. Um 9:20h sehe ich schon das Wehr der Stillen Oder, schaue noch einmal genau hin. Gepumpt wird anscheinend gerade nicht. Dann komme ich noch einmal dort vorbei, wo ich gestern mein Kanu zur Aufbewahrung gegeben habe, es ist aber niemand anwesend, das Boot ist auch nicht da. Sie sich wohl in die Ferien gefahren, deshalb wurde das Boot geputzt.
Meine Kanutour heute wird auch nur etwa 14 km lang sein, ich bin früh genug dran und kann mir also Zeit lassen. Die Umgebung hier ist wirklich schön, es ist so eine "da möchte ich wohnen"- Gegend. Ich muß den Bewohnern von Schiffmühle aber auch ein großes Kompliment machen: ihr Dorf ist frei von jeglichem Kitsch, wie man ihn sonst weit verbreitet findet, vor allem zum Ufer hin. Ich habe auch keine einzige Ruine gesehen, was darauf hin deutet, daß die Menschen gerne hier leben und ihre Freunde gleich mitbringen, so daß kein Grundstück frei ist. Alle, die ich traf, waren ausgesprochen freundlich.
An Schiffmühle bin ich bald vorbei, zur Abwechslung regnet es mal wieder. Da es aber warm und windstill ist, nehme ich einfach meinen Anglerschirm und paddle weiter. Ich komme noch unter der alten Eisenbahnbrücke durch, dann ist die Zivilisation vorbei. Links ist nichts als Wildnis zu erkennen, rechts steigt ein Stück vom Sumpfufer entfernt der Neuenhagener Sporn auf fast 91 m an, er ist auf dem Süd-West-Ende komplett bewaldet.
Ich paddle vorbei an blühenden Weidenröschen und noch grünen Sumpfrohrkolben. Viele Singvögel machen sich im Schilfgürtel bemerkbar, ich sehe auch einige Eisvögel fliegen. Ein Teichhuhn gleitet langsam ins Schilf, ängstlich ist etwas anderes. Links sehe ich auf einer leichten Anhöhe ein Gehöft, am Wasser wird es vertreten durch eine Art "Bootsschuppen", der aber schon ziemlich heruntergekommen aussieht, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin hier also auf der Höhe von Wendeshof, wie ein Blick in meinen TA5 mir sagt.
Ich genieße die weitere Fahrt derart, daß ich die Kilometer nicht spüre. Links kommt noch ein leicht erhöhter Wald, darin ein inoffizieller Lagerplatz für Angler und Paddler. Von hier an werde ich von einem Schwanenpaar geleitet: hauptsächlich "Er" ist immer ein Stück vor mir, so schnell oder langsam ich auch paddle.
Dann komme ich an eine markante Stelle: ich sehe eine Brandruine, ein Mensch läuft darin herum, reißt etwas von dem verbrannten Material ab, anscheinend räumt er auf. Der Brand scheint lange her zu sein, viele Brennnesseln haben einen Teil der Ruine schon überwuchert. Ich nehme an, daß hier einmal ein Wärter gewohnt hat, der das ehemalige Wehr bzw. die Stauschleuse bedient hat: von links mündet hier nämlich der Freienwalder Landgraben in die Wriezener Alte Oder ein. Ich paddle ein wenig in diesen nett anzuschauenden Kanal, allerdings ist er voll von angestautem Kraut. Es wurde wohl soeben dort geschnitten, ein Weitertreiben in die Wriezener Alte Oder wird durch Stangen verhindert, die in den Boden gesteckt wurden. Eine Befahrung werde ich auf jeden Fall nachholen!
Dann sehe ich von weitem eine Straßenbrücke, ein Fahrzeug fährt gerade darüber. Wenn mich meine Ortskenntnisse nicht trügen, liegt dort "Heeses Loos", und die Straße führt nach Bralitz hinüber. Dort ist auch eine offizielle Einsetzstelle und der "Hafen" des örtlichen Wassersportvereins. Alles sieht etwas nach Renovierungsstau aus, aber auch das hat ja morbiden seinen Reiz. Wegen mir muß nicht alles wie geleckt sein.
Kaum bin ich an der Brücke und Kanueinsetzstelle vorbei, sehe ich rechts ein merkwürdiges Gefährt und an Land ein ungewöhnliches Gebäude: das Gefährt entpuppt sich als riesiges Floß, das Gebäude ist wohl der zukünftige Wasserwanderrastplatz, ein Schild steht schon seit längerem in Bralitz an der Dorfstraße. Neugierig lege ich am Schwimmsteg an, komme mit dem zukünftigen Betreiber ins Gespräch. Hier soll nicht nur ein Wasserwanderrastplatz entstehen, sondern auch ein Kanuverleih sowie eine Art Gruppenhaus, das behindertengerecht ausgestattet werden soll. Das Ganze ist noch Baustelle, hat aber Potenzial. Eine sehr schöne Umgebung ist hier allemal, das muß ich neidlos anerkennen.
Nach dem kurzen Plausch paddle ich weiter, der Regen hat inzwischen aufgehört. Während ich Oderberg entgegen paddle, denke ich über die Pläne des eben kennengelernten Pioniers nach: ich habe auch einige ideen, was man mit so einer Einrichtung machen könnte. So vergeht die letzte Abschnitt bis kurz vor der Einmündung der Wriezener Alten Oder in die Havel-Oder-Wasserstraße (die in Oderberg nur kurz "Oder" genannt wird, was ja auch korrekt war bis zum Durchstich anno 1756). An einem sehr harten Steg steige ich kurz mal aus meinem Kanu, ich muß mal dringend. In einer Erle am Ufer piepen Sumpfmeisen, Gärten liegen hier nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Zum Glück ist hier ein öffentlicher Weg, ich lande nicht so gerne an Privatgrundstücken an und schon gar nicht um pinkeln zu gehen.
Dann bin ich wieder im Kanu und biege bald darauf rechts ab in Richtung Wasserwanderrastplatz in Oderberg. Dort angekommen, leihe ich mir ein Fahrrad aus und radle die knapp 7 km bis Neutornow, um meinen Transporter abzuholen. Der Neuenhagener Sporn ist für Fahrräder ziemlich steil, und ich komme ganz schön aus der Puste, als sich dort hochfahre zwischen Neuenhagen und Gabow. Schnell das Fahrrad in das Auto gestellt, dann bin ich bald wieder in Oderberg.
Ich bleibe noch für eine Nacht dort auf dem WWR, dann fahre ich zu meiner nächsten Erkundungstour: ich will die Alte Oder von Seelow aus bis Wriezen paddeln, etwa 25 km, also eine ganz ordentliche Tagestour. Das Bestechende ist, daß sowohl Start als auch Ziel ganz nahe an einem Bahnhof ist!. Darauf freue ich mich besonders.
Für weitere Anregungen und Informationen schaut bitte auch beim Portal "Oderbruchpavillon" sowie "FlussInfo"